Praxis-Check 4 - Urban Living Lab 


Datum: 20. Februar 2025
Ort: 20., Nordwestbahnstraße 16
Art der Veranstaltung: Praxis-Check Workshop
Inhalt/Thema: Kreislaufwirtschaft in der Gebäudesanierung
Teilnahme: 31 Teilnehmer*innen vor Ort

Was zeichnet eine zirkuläre Gebäudesanierung aus? Wo steht Wien auf dem Weg dorthin? Was beziehungsweise welche Veränderungen braucht es, um sie erfolgreich umzusetzen?
Diesen Fragen widmete sich der 4. und zugleich letzte Praxis-Check Workshop des Urban Living Labs, bei dem Expert*innen aus Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie Planungs- und Baupraxis zusammenkamen. Ziel war es, zentrale Chancen und Hürden kreislauffähiger Gebäudesanierungen zu identifzieren und gemeinsam Lösungsansätze zur verstärkten Umsetzung zu entwickeln. Zu Beginn betonte Bernadette Luger von der Baudirektion der Stadt Wien das ambitionierte Ziel: Ab 2030 soll kreislauffähiges Planen und Bauen zum Standard werden - auch im Bereich der Gebäudesanierung.

Die Rückmeldungen aus der Praxis zeigen, dass die Transformation hin zur zirkulären Sanierung begonnen hat, jedoch noch vor Herausforderungen steht.

Folgende Grundsätze wurden von den Fachleuten im Rahmen der Diskussion unter anderem herausgearbeitet:

  • Die Weiternutzung, Transformation und Sanierung bestehender Gebäude bietet ein enormes Potenzial, Ressourcen zu schonen und den ökologischen Fußabdruck im Bauwesen deutlich zu verringern. Im Fokus steht zunächst der Erhalt des Bestehenden - gefolgt von der Frage, wie Sanierungen zirkulär und zukunftsfähig umgesetzt werden können. Wenn eine Weiternutzung des Bestands nicht sinnvoll ist, gilt es den Bestand wiederverwendungsorientiert (teil-)rückzubauen und den Wiedereinsatz rückgewonnener Ressourcen zu fördern.

  • Bewusstseinsbildung und Wissensaufbau zur langfristigen Nutzung und Adaptierung von Bestandsbauten sind essenziell. Die Vorstellung, dass Gebäude nach 30 Jahren obsolet sind, muss einem langfristigen Planungshorizont von 50 bis 100 Jahren weichen. Dies gilt sowohl in der Sanierung als auch bei der Planung neuer Gebäude, denn diese sind der "Bestand von morgen".

  • Beim Weiterbauen und Sanieren geht es zuerst darum, den Bestand und seine Zusammensetzung genau zu kennen. Nur so lassen sich Materialkreisläufe schließen und Abfälle vermeiden. Eine detaillierte Bestandsanalyse ist somit Grundvoraussetzung für zirkuläre, schnelle und kosteneffiziente Sanierungen. Auch statische Anforderungen und Schadstoffe können dadurch frühzeitig erkannt werden. Das spart Zeit, Kosten und Ressourcen.

  • Wie beim zirkulären Neubau gilt auch beim zirkulären Weiterbauen und Sanieren: Es sind jene Maßnahmen zu wählen, die möglichst geringe Umweltbelastungen und niedrigen Ressourcenverbrauch verursachen und zugleich kreislauffähige Konstruktionsweisen ermöglichen (zum Beispiel durch Trennbarkeit von Materialien). Die Ökobilanz allein reicht zur Bewertung der ökologischen Qualität nicht aus. Nachhaltigkeit wird nicht nur an Emissionen gemessen, sondern auch an der Wiederverwendbarkeit oder Rückbaubarkeit der eingesetzten Materialien und Systeme.

  • Serielle Vorfertigung und modulare Bauweisen bieten zukunftsweisende Möglichkeiten - auch für künftige Sanierungszyklen. Wichtig ist eine hohe Sanierungsgeschwindigkeit, insbesondere im Zusammenhang mit Dekarbonisierungsmaßnahmen im Betrieb.

  • Ein wichtiger Ansatz ist die Arbeit mit Standards und typischen Sanierungsszenarien. Viele Gebäude ähnlichen Typs und Alters haben vergleichbare Voraussetzungen. Deshalb lassen sich gezielte Maßnahmenpakete für bestimmte Gebäudekategorien entwickeln. Geschosswohnbauten aus den 1950er- und 60er-Jahren eignen sich beispielsweise gut für serielle Sanierungen mit vorgefertigten Elementen. Gründerzeithäuser brauchen oft Einzelmaßnahmen - etwa die Dämmung von Geschossdecken oder Hoffassaden.

  • Das derzeitige lineare Wirtschaftsmodell steht im Widerspruch zu einer nachhaltigen und zirkulären Sanierungspraxis.

Die Teilnehmer*innen waren sich einig: Es ist entscheidend, nicht auf "perfekte Lösungen" zu warten, sondern jetzt ins Tun zu kommen und mit praktischen Schritten zu beginnen.

 

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