Endveranstaltung - Urban Living Lab
Datum: 8. Oktober 2025
Ort: 20., Nordwestbahnhof (Hallentrakt)
Art der Veranstaltung: Abschlussveranstaltung
Inhalt/Thema: Gewonnene Erkenntnisse reflektieren und Vernetzung
Teilnahme: 150 Teilnehmer*innen vor Ort
Am 8. Oktober 2025 fand am Nordwestbahnhof die Abschlussveranstaltung des Urban Living Lab "Zirkuläres Bauen Wien" statt. Sie stand unter dem Motto "Abschluss ohne Ende", denn das Projekt endet zwar formal mit Ende 2025, die gewonnenen Erkenntnisse und das entstandene Netzwerk sollen aber weiter wirken.
Das Lab brachte Expert*innen aus Verwaltung, Wissenschaft, Planung und Baupraxis zusammen, um neue Wege für ressourcenschonendes
und zukunftsfähiges Bauen zu erproben. Bei der Abschlussveranstaltung wurden die zentralen Erkenntnisse reflektiert und ihre Übertragbarkeit auf die Praxis diskutiert.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Georg Niedermühlbichler (in Vertretung von Frau Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál) und Stadtbaudirektor Bernhard Jarolim. Beide machten deutlich: Zirkuläres Bauen ist kein Zukunftsthema mehr - es ist ein zentraler Hebel für Ressourenschonung und Klimaschutz, lokale Wertschöpfung und strategische Unabhängigkeit.
Zum Auftakt der inhaltlichen Vertiefung zeigten die universitären Kooperationspartner*innen, welche Testfelder sie gemeinsam mit Studierenden bearbeitet hatten und welche methodischen Zugänge dabei zum Einsatz kamen. Eine begleitende Ausstellung bot Einblick in die vielfältigen Projektresultate: Die Teilnehmer*innen konnten die entwickelten Ansätze, Modelle und Materialien kennenlernen, Fragen stellen und direkt mit den Projektteams in Austausch treten.
Im Anschluss rückten 3 Paneldiskussionen die zentralen Themen des Labs in den Fokus. Die Erkenntnisse aus den vorangegangenen Formaten wurden aufgegriffen, vertieft und gemeinsam mit Fachexpert*innen auf Umsetzbarkeit und Skalierungspotenzial überprüft. Moderiert wurden die Gespräche von Iris Wrana (Stadtbaudirektion).
Panel 1 - Zusammen wirken
Zirkuläre Transformation durch partizipative Prozesse, aktive Mitgestaltung und gemeinsames Handeln
Im 1. Panel stand das gemeinsame Handeln im Mittelpunkt: Zirkuläres Bauen gelingt nur, wenn Verwaltung, Planung und Bevölkerung gemeinsam lernen und gestalten. Diskutiert wurde, wie neue Narrative und partizipative Formate dazu beitragen können, Akzeptanz und Bewusstsein für Wiederverwendung und Ressourcenschonung zu stärken. Das Social Design Studio der Universität für angewandte Kunst Wien betonte die Bedeutung von Prozessen, die gemeinsames Lernen und Ausprobieren fördern. Besonders experimentelle, praxisnahe Formate wurden als wirkungsvolle Instrumente zur Bewusstseinsbildung hervorgehoben. Ihre Überführung in dauerhafte, skalierbare Prozesse bleibt jedoch eine kontinuierliche Aufgabe.
Panel 2 - Kreisläufe schließen
Kreisläufe schließen durch Rückbau, Re-Use und die Verknüpfung von Lebenszyklusende und -anfang
Das 2. Panel zeigte, dass zirkuläres Bauen dann funktioniert, wenn das Lebenszyklusende eines Gebäudes mit dem Lebenszyklusanfang eines Gebäudes verbunden wird. Die Studierenden haben sich im Kreativprozess damit auseinandergesetzt, wie Re-Use-Materialien kreativ in die Planung integriert werden können. Ein zentrales Thema bleibt dabei die Frage nach geeigneten Strukturen und Prozessen, um verfügbare Re-Use-Bauteile sichtbar, bewertbar und handelbar zu machen. Die Stadt Wien arbeitet daran Prüfroutinen für Re-Use-Bauteile aufzubauen. Die Sicht der Praxis bestätigt: Der Einsatz von Sekundärmaterialien ist bereits heute in vielen Bereichen realisierbar. Verlässliche Netzwerke und transparente Datenschnittstellen zwischen Rückbau, Planung und Ausführung sind jedenfalls essenziel. Der Aufbau dieser tragfähigen Strukturen ist eine gemeinsame Aufgabe.
Panel 3 - Bestand transformieren
Zirkuläre Weiterentwicklung durch Sanierung, Umnutzung und Aktivierung des Bestehenden
Das 3. Panel widmete sich der Weiterentwicklung des Gebäudebestands. Der Bestand ist eine zentrale Ressource für die zirkuläre Stadt. Dabei wurde unterstrichen, dass die Weiterentwicklung bestehender Gebäude und Quartiere ein tiefes Verständnis des Bestands und eine ganzheitliche Betrachtung erfordern. Eine sorgfältige Analyse der baulichen, technischen und sozialen Gegebenheiten ist die Voraussetzung, um tragfähige und zukunftsorientierte Konzepte zu entwickeln - das zeigten auch die Studierenden mit der Entwicklung von Retrofit-Strategien. Die Stadt Wien untersützt über unterschiedliche Programme, Formate und Prozesse die sensible und ressourcenschonende Weiterentwicklung des Bestands, beispielsweise über Serviceangebote wie die Hauskunft oder das Stadterneuerungsprogramm WieNeu+.
Neben den inhaltlichen Inputs stand auch der Austausch im Mittelpunkt: Ein wesentliches Ziel des Urban Living Labs war es, eine aktive "Community of Practice" zwischen Verwaltung, Forschung und Praxis aufzubauen. Im Verlauf des Projekts ist ein tragfähiges Netzwerk entstanden, das neue Kooperationen, Allianzen und langfristige Partnerschaften ermöglicht - getragen von der gemeinsamen Überzeugung, dass die Transformation zur Kreislaufwirtschaft nur im kontinuierlichen Dialog gelingen kann.
Aktuell wird an einer online verfügbaren Publikation gearbeitet, die einen Überblick über die stattgefundenen Formate und erarbeiteten Inhalte darstellt.