Praxis-Check 2 - Urban Living Lab


Datum: 24. Oktober 2024
Ort: 20., Nordwestbahnstraße 16
Art der Veranstaltung: Praxis-Check Workshop
Inhalt/Thema: Kreislaufwirtschaft im Bauen, Weiterbauen und Rückbauen von Gebäuden
Teilnahme: 30 Teilnehmer*innen vor Ort
 

Was macht zirkuläres Bauen, Weiterbauen und Rückbauen aus? Welche zirkulären Prinzipien werden heute bereits umgesetzt und wie werden diese angewendet? Wo
sind Veränderungen notwendig, um ans Ziel zu kommen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des 2. Praxis-Check Workshops.

Zu Beginn gab Klaus Kodydek aus der Baudirektion der Stadt Wien einen Einblick zu den
Inhalten des Zirkularitätsfaktors 1.0 (ZiFa 1.0). Der ZiFa 1.0 beinhaltet und definiert in 8 Kategorien und 30 Kriterien Maßnahmen, die das zirkuläre Planen und Bauen entlang des Lebenszyklus unterstützen.

Im anschließenden interaktiven Teil des Workshops standen Kategorien aus dem ZiFa 1.0 wie Materialeinsatz, Flexibilität, Umnutzbarkeit und Nachverdichtung, Langlebigkeit, Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit sowie Rückbau und Re-Use im Fokus. Expert*innen aus Planungs- und Baupraxis, Verwaltung und Forschung diskutierten, wie die Anforderungen an das zirkuläre Bauen, Weiterbauen und Rückbauen in die Praxis umgesetzt werden können beziehungsweise welche Hürden noch bestehen.

Die Diskussion zeigte unter anderem folgende Erkenntnisse:

  • Auch wenn die Ressourcenschonung noch nicht vollständig in den Rahmenbedingungen integriert ist, können zirkuläre Planungsprinzipien bereits heute umgesetzt werden. Eine zentrale Planungsprämisse dabei ist, dass Zirkularität nicht nachrüstbar ist. Daher muss bereits in der frühen Projektphase der Grundstein für ein ressourcenschonendes Bauwerk gelegt werden.

  • Während der Einsatz von Recyclingmaterialien zunehmend zur Substitution von Primärressourcen beiträgt, bleibt die Verwendung von Re-Use-Bauteilen aufgrund rechtlicher und prozessualer Unsicherheiten eine Herausforderung. Insbesondere fehlende Prüfroutinen und Zertifikate erschweren die Integration wiederverwendeter Bauteile in Bauprozesse.

  • Neben regulativen und prozessualen Rahmenbedingungen spielen wirtschaftliche Faktoren eine zentrale Rolle. Der Einsatz von neuen Materialien ist momentan oft günstiger als die Verwendung von Re-Use-Bauteilen. Außerdem gibt es keinen funktionierenden Markt für Sekundärrohstoffe.

  • Eine Primärkonstruktion, die zulässt, dass Grundrisse flexibel weiterentwickelt werden können, erleichtert das Weiterbauen mit dem Bestand. Spätere Transformationen und Adpatierungen werden dadurch ermöglicht.

  • Bestandsbauten, die sich nicht gut adaptieren lassen und deshalb nicht gut rückbaubar sind und abgebrochen werden müssen, sollten analysiert werden, um zukünfige Bauvorhaben entsprechend zu gestalten und diese "Fehler" nicht zu wiederholen.

  • Für den verwertungsorientierten Rückbau gibt es grundsätzliche Standards, die jedoch noch weiter ausgearbeitet werden müssen. Für den wiederverwendungsorientierten Rückbau bedarf es generell noch Grundlagenentwicklung.
  • Es braucht Fachleute, die zirkuläre Planungs- und Bauprinzipien kennen und umsetzen können. Neben der Verankerung in Lehrplänen sind Schulungen für Planer*innen, Bauunternehmen und Ausführende essenziell, um Aspekte des zirkulären Planens und Bauens in die Praxis zu bringen.
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